Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause (Berlin)

Das Modul SEP-SCHULE „Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause (Berlin)“ soll Schulen dabei unterstützen, eine Rückmeldung zum Lernen der Schüler*innen zu Hause bedingt durch die Schulschließungen in der Corona-Krise zu erhalten. Mit dieser Zielsetzung liegt der Fokus der Fragen auf der Aufgabenbewältigung zu Hause. Dabei wurden verschiedene Aspekte einbezogen, aus denen sich eine Schule ihren Fragebogen zusammenstellen kann. Für die Entwicklung der Bausteine und Items wurden Hinweise und Bedarfe aus der schulischen Praxis aufgenommen, welche an wissenschaftliche Modelle zur Unterrichtsqualität (z. B. Angebot-Nutzungs-Modell; Helmke, 2007; QuAIT-Modell; Slavin, 1997) und ressourcenbezogenen Lernstrategien (z. B. LIST; Wild & Schiefele, 1994) angelehnt geordnet und entwickelt wurden.

 

Überblick über alle Bausteine und potentielle Befragungsgruppen:

Befragungsgruppen  L  PP  S  E  KP
1. Einstellung der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern und Lehrkräfte zum “Schulisch angeleiteten Lernen zu Hause“ x   x x  
2. Rahmenbedingung - Lernumgebung zu Hause          
  • Häusliche Lernumgebung
x   x x  
  • Digitale Lernumgebung
x   x x  
3. Rahmenbedingung - Unterstützung beim schulisch angeleiteten Lernen zu Hause x   x x  
4. Zeitmanagement beim schulisch angeleiteten Lernen zu Hause x   x x  
5. Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause          
  • Koordination
x   x x  
  • Aufgabenstellungen
x   x x  
  • Kooperative Aufgabenbearbeitung
x   x x  
  • Anstregungsbereitschaft
x   x x  
  • Ablenkung
x   x x  
  • Mediennutzung
x   x x  
6. Feedback zum schulisch angeleiteten Lernen zu Hause x   x x  
7. Wechselunterricht x   x x  

 

Hier finden Sie Ansichtsexemplare der Bausteine für die einzelnen Befragungsgruppen:

Beschreibung der Modulinhalte:

 

Zu 1: Einstellung der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern und Lehrkräfte zum “Schulisch angeleiteten Lernen zu Hause“

Gerade im coronabedingten Fernunterricht sind die Selbstständigkeit der Schüler*innen und ihre Motivation besonders relevant für die Initiierung und Aufrechterhaltung von Lernbemühungen. Insbesondere die Motivation ist ausschlaggebend dafür, wie intensiv die Schüler*innen die gestellten Aufgaben zu Hause bearbeiten und wirkt sich positiv auf die erbrachte Leistung aus. Auch die Einschätzung, wie gut bzw. wie viel man im Vergleich zum Präsenzunterricht zu Hause lernt, kann einen Einfluss auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler haben.

 

Zu 2: Rahmenbedingungen

2a: Rahmenbedingungen – Häusliche Lernumgebung

Das Gelingen des Fernunterrichts hängt auch von der häuslichen Situation der Kinder und Jugendlichen ab. Für die Planung des schulisch angeleiteten Lernens zu Hause ist es wichtig, über die Ausgestaltung der häuslichen Lernumgebung der eigenen Schüler*innen informiert zu sein. Informationen zur häuslichen Lernumgebung helfen, eventuelle Beeinträchtigungen des Lernprozesses besser einschätzen zu können.

 

2b: Rahmenbedingungen – Digitale Lernumgebung

Die für den Fernunterricht typischen Aktivitäten und Methoden des digitalen Lehrens und Lernens hängen stark von der Verfügbarkeit einer entsprechenden technischen Ausstattung auf Seiten der Schüler*innen ab. Es ist bekannt, dass die häuslichen Ressourcen einen starken Einfluss auf die Qualität und den Lernerfolg zu Hause haben. Erfragt werden u.a. das Vorhandensein eines verfügbaren Computers, Laptops oder Tablets sowie Lautsprecher (eingebaut oder als Teil des Headsets), Mikrofon (eingebaut oder als Teil des Headsets), Webcam (ggf. eingebaut) sowie eine ausreichende und stabile Internetverbindung. Je nach Unterrichtsangebot spielt auch der Zugang zu einem Drucker bzw. Scanner eine Rolle. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, kann es zu Einschränkungen sowohl beim selbstständigen Lernen als auch im Rahmen der digitalen Kommunikation bspw. während einer Videokonferenz kommen.

 

Zu 3: Rahmenbedingungen – Unterstützung beim Schulisch angeleiteten Lernen zu Hause

Die Schulschließungen haben u.a. dazu geführt, dass die Notwendigkeit der individuellen Lernbetreuung zu Hause gestiegen ist. Qualität und Erfolg häuslicher Lernprozesse hängen von der Begleitung durch Lehrkräfte und Eltern/Erziehungsberechtigte sowie von Möglichkeiten des Austauschs unter den Peers ab, da positive persönliche Beziehungen neben motivationalen Aspekten zentrales Element des Fernunterrichts sind. Daher sollte  ein regelmäßiger Kontakt und Austausch der Lehrkräfte mit den Schüler*innen (bspw. in Form von Videokonferenzen) gewährleistet sein. Wie im Regelunterricht ist es im schulisch angeleiteten Lernen zu Hause hilfreich, wenn die Schüler*innen miteinander in Austausch treten und sich gegenseitig helfen können. Nicht zuletzt brauchen die Kinder und Jugendlichen beim häuslichen Lernen mehr als sonst Unterstützung von ihren Eltern (oder anderen Familienangehörigen).

 

Zu 4: Zeitmanagement beim Schulisch angeleiteten Lernen zu Hause

Während der Schulschließung sind viele Schüler*innen organisatorisch auf sich gestellt, da die Routine, die der Unterricht bietet, wegfällt. Neben dem Lernen selbst liegt die gesamte Tagesstruktur – je nach familiärer Unterstützung – mehr oder weniger stark in der eigenen Verantwortung der Kinder und Jugendlichen, beginnend mit dem Aufstehen und einem geregelten Tagesablauf. Eine der Herausforderungen im schulisch angeleiteten Lernen zu Hause ist demnach die Fähigkeit der Schüler*innen zur selbstständigen Strukturierung des Wochen- bzw. Tagesablaufs und Organisation der termingerechten Bearbeitung der Aufgaben in den verschiedenen Fächern. Da der individuelle zeitliche Lernaufwand pro Tag bzw. pro Woche für Lernaufgaben beim häuslichen Lernen stark variieren kann, ist es hilfreich, die Schüler*innen bei der Wochen- bzw. Tagesplanung zu unterstützen. Voraussetzung dafür sind Vorgaben der Lehrkräfte über die erwartete Bearbeitungszeit.

 

Zu 5: Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause

5a: Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause – Koordination

Struktur und Klarheit sind Voraussetzungen dafür, dass Schüler*innen sinnvoll lernen können. So kann es, je nach Altersgruppe oder Fach sinnvoll sein, die verschiedenen Aspekte der Unterrichtsorganisation im schulisch angeleiteten Lernen zu Hause von Seiten der Schule zu koordinieren. Dies betrifft zum einen die Organisation des häuslichen Lernens (z.B. Arbeit nach Stunden- oder Wochenplan, feste Zeiten für Videokonferenzen), einschließlich der Technik des Aufgabenabrufs und der Ergebnisabgabe. Die Koordination des häuslichen Lernens schließt die Abstimmung der Lehrkräfte untereinander mit ein.

 

5b: Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause – Aufgabenstellungen

Struktur und Klarheit betreffen auch die Arbeitsaufträge in den Lernaufgaben zur häuslichen Bearbeitung. Dabei kann es sich sowohl um Aufgaben zur Übung als auch zum Erlernen von neuen Inhalten handeln. Diese sollten, mehr als ohnehin schon im Regelunterricht, klar und verständlich formuliert und übersichtlich gestaltet sein, da es im schulisch angeleiteten Lernen zu Hause häufig keine Möglichkeit gibt, direkt Nachfragen zu stellen. Hinzu kommen ein klar zu kommunizierender Rhythmus in der Aufgabenvergabe (z.B. Wochenaufgaben) sowie feste Abgabetermine (ggf. in allen Fächern gleich). Sofern alternativ oder flankierend zu den schriftlichen Arbeitsaufträgen mündliche Erklärungen gegeben werden (bspw. in einem Erklärvideo oder in einer Videokonferenz), sollten auch diese den genannten Kriterien entsprechen, um die Verstehensprozesse der Lernenden zu unterstützen. Als verständnisförderlich gelten abwechslungsreiche, kognitiv anregende und herausfordernde Lernaufgaben (im Gegensatz zu repetitiven Tätigkeiten, die oft wenig verständnisfördernd sind). Dies schließt Möglichkeiten der Differenzierung und Individualisierung unter Berücksichtigung von Interessen oder Lernständen der Schüler*innen ein.

 

5c: Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause – kooperative Aufgabenbearbeitung

Neben den unterschiedlichen Aufgabenstellungen wird kooperatives Lernen für die kognitive Aktivierung der Lernenden als förderlich angesehen. Über den regelmäßigen Austausch hinaus meint dies Aufgabenstellungen, die explizit die Zusammenarbeit mit ggf. mehreren Mitschüler*innen erfordern. Dies kann sich sowohl auf den Arbeitsprozess als auch auf das Lernprodukt beziehen. Sofern die technischen Möglichkeiten vorhanden sind, können auch kooperative Onlineelemente eingesetzt werden. Wie bei allen Aufgaben spielt auch bei kooperativer Aufgabenbearbeitung das Feedback eine zentrale Rolle für die individuelle Lernunterstützung. Häufig wird auch die Veröffentlichung der gemeinschaftlich erarbeiteten Ergebnisse als besonders motivierend empfunden.

 

5d: Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause – Anstrengungsbereitschaft

Da die Aufgaben im schulisch angeleiteten Lernen zu Hause i.d.R. eigenständig bearbeitet werden, ist es – mehr noch als im Regelunterricht – wichtig, dass sich Schüler*innen selbst zum Lernen motivieren und evtl. auftretende Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Aufgaben selbstständig lösen. Dazu zählen sowohl Schwierigkeiten angesichts des Umfangs der erteilten Aufgaben und der zur Bearbeitung erforderlichen Zeit als auch motivationale Probleme gleich welchen Ursprungs (z.B. aufgrund inhaltlicher Hürden bzw. mangelnder Passung oder des Gefühls von Verunsicherung oder Überforderung).

 

5e: Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause – Ablenkung

Die Kehrseite des zielorientierten, selbstorganisierten Lernens zu Hause ist die Gefahr der Ablenkung. Das Bewusstsein für die Störung des Lernprozesses durch Ablenkung bzw. das Bewusstmachen der mit dem eigenverantwortlichen Lernen ggf. verbundenen negativen Emotionen ist ein erster Schritt zur Steuerung des eigenen Lernverhaltens. Dazu gehören u.a. Konzentrationsprobleme, die auch im Regelunterricht hinderlich sind. Hinzu kommen weitere Möglichkeiten der Ablenkung, die für die häusliche Situation typisch sind (z.B. Musik, Austausch in sozialen Medien, diverse Computerspiele).

 

5f: Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause – Mediennutzung

Das schulisch angeleiteten Lernen zu Hause verlangt von den Schüler*innen darüber hinaus auch Fähigkeiten im zielorientierten Umgang mit Medien. Dazu gehören sowohl der Umgang mit analogen (z.B. Lehrbücher, Arbeitshefte, Arbeitsblätter) als auch digitalen Medien (z.B. Computer, Online-Lern-Apps, Online-Meeting-Tools, Lernplattformen). Schüler*innen müssen dazu in der Lage sein, die jeweilige Hard- und Software der technischen Geräte bedienen zu können, da ansonsten digital bereitgestellte Medien und zu bearbeitende Arbeitsblätter nicht genutzt werden können. Weiterhin spielt auch die Fähigkeit eine Rolle, digitale Lernprodukte in ggf. kooperativer Zusammenarbeit anfertigen zu können. In der Zusammenarbeit sollten dabei Verhaltensregeln im Umgang mit den verschiedenen Medienangeboten (z.B. gemeinsam erarbeitete Netiquette-Regeln) beachtet werden, die eine lernförderliche Atmosphäre bedingen.  

Betrachtet man die konkrete Nutzung, geht es zum einen um die Rezeption medialer Angebote (deren Vorhandensein als Teil der Aufgabenstellung vorausgesetzt), verbunden mit den notwendigen Fähigkeiten, bspw. den Wahrheitsgehalt von Onlineinformationen prüfen und beurteilen zu können.

 

Zu 6: Feedback zum schulisch angeleiteten Lernen zu Hause

Die regelmäßige Überprüfung sowie ein lernförderliches Feedback zu den Ergebnissen der von den Schüler*innen bearbeiteten Aufgaben motiviert die Schüler*innen in ihrem Lernprozess. Während die Überprüfung der Erledigung der Aufgaben klar ins Aufgabenfeld der Lehrperson fällt, kann eine inhaltliche Rückmeldung i.S. eines formativen Feedbacks sowohl von der Lehrkraft – in schriftlicher (z.B. als Kommentar auf der Lernplattform) oder mündlicher Form (z.B. im Rahmen einer Videokonferenz) – als auch von den Mitschüler*innen in Form von Peerfeedback gegeben werden. Auch der selbstständige Abgleich der eigenen Lösungen mit Musterlösungen fällt in diese Kategorie. Darüber hinaus erhalten Schüler*innen auch im schulisch angeleiteten Lernen zu Hause über summatives Feedback Rückmeldung zu ihren Leistungen. Wie im Regelunterricht sollten die Unterscheidung zwischen Lern- und Leistungsaufgaben klar und die Bewertungskriterien bekannt sein. Andererseits kann sich auch die Lehrkraft von den Schüler*innen Rückmeldung zu den von ihr gestellten Aufgaben holen, die idealerweise in die weitere Unterrichtsplanung einfließen.

 

Zu 7: Wechselunterricht

Mit sinkenden Infektionszahlen und zunehmender Schulöffnung wird schulisch angeleitetes Lernen zu Hause im Wechsel mit Präsenzunterricht erteilt. Dies hat Konsequenzen für die Gestaltung der Lehr-Lernprozesse. Neben den Phasen des selbstangeleiteten Lernens können nun – alternativ oder ergänzend zu Online-Formaten wie Videokonferenzen – Präsenzphasen genutzt werden, um mit den Schüler*innen in Austausch zu treten. Neben Fragen der Unterrichtsorganisation können Ergebnisse aus der häuslichen Vorbereitung präsentiert und verglichen werden, Lösungswege besprochen, vertiefende oder weiterführende Diskussionen geführt, aber auch bereits Gelerntes überprüft und Neues eingeführt werden.

Bitte warten...